SWR 2 – Jazz-Programm November 2019

Im Novemberprogramm von SWR 2 stechen vor allem die Livekonzerte vom Berliner Jazzfest heraus und die Sendung zur Verleihung des SWR-Jazzpreises an Liz Kosack (im Rahmen von Enjoy Jazz in Ludwigshafen).

Fast alle Jazz-Sendungen von SWR2 können als Audio on Demand im Internet 7 Tage online nachgehört werden. Auf www.swr2.de/jazz finden sich auch Playlists und und weitere Informationen zum Programm.

Freitag, 1. November, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Klangzauberer
Ein Portrait des Schlagzeugers Paul Lovens
Von Thomas Loewner

Paul Lovens begann mit 14 Jahren Musik zu machen. Zunächst spielte er in Jazzbands unterschiedlicher Stilrichtungen. Doch die Bekanntschaft mit Musikern wie dem Trompeter Manfred Schoof und dem Pianisten Alexander von Schlippenbach sorgte Ende der 1960er-Jahre dafür, dass er sich ganz auf die improvisierte Musik konzentrierte. Mit Bands wie dem Schlippenbach Trio, das seit fast 50 Jahren existiert, und in vielen anderen Ensembles hat Lovens seither deutliche Spuren in der improvisierten Musik hinterlassen. Für sein Schaffen wird er am 3.November in Berlin mit dem Albert-Mangelsdorff-Preis geehrt.

Samstag, 2. November, 9.05 – 10.00 Uhr
SWR2 Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann

Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik, ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusiker*innen, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer „global language“ geworden. „Jazz across the border“ hört auf unterhaltsam-informative Weise hin.

Samstag, 2. November, 20.03 – 24.00 Uhr
Jazzfest Berlin 2019– LIVE
Mit Ambrose Akinmusire Origami Harvest, hr-Bigband feat. Joachim Kühn & Michel Portal u.a.
Mit Ulf Drechsel
(Liveübertragung aus dem Haus der Berliner Festspiele)

Das Abendkonzert auf der großen Bühne im Haus der Berliner Festspiele beginnt mit einem Treffen zweier europäischer Jazz-Legenden. Der Pianist Joachim Kühn und der Klarinettist Michel Portal feiern gemeinsam mit der hr-Big Band eine Hommage an den ebenso abenteuerfreudigen wie hochmelodischen Urvater des Free Jazz, Ornette Coleman.

Danach wird das „Origami“-Projekt von Ambrose Akinmusire zu hören sein. Der Trompeter reflektiert afro-amerikanische Existenz im 21. Jahrhundert, indem er seinen Jazz mit Rappern und Kammermusik, mit Streichquartett und Hip-Hop zusammenbringt.

Sonntag, 3. November, 00.00 – 06.00 Uhr
Jazzfest Berlin 2019: ARD JazzNacht – LIVE
u.a. mit Brian Marsella, Christian Lillingers Open Form From Society, dem Australian Art Orchestra feat. Julia Reidy, Elliot Galvin, Melissa Aldana und Angel Bat Dawid & The Brothahood

Mit Ulf Drechsel, Roland Spiegel, Ulrich Habersetzer, Günther Huesmann, Claudia Schober, Julia Neupert, Heidi Eichenberg.

Sechs Stunden musikalische Highlights der ersten drei Festivaltage und -nächte. Aktuelle Interviews mit Musikerinnen und Musikern ergänzen das musikalisch vielschichtige Programm.

Angeschlossen an den rbb sind: SR2 KulturRadio, SWR2, WDR 3, Bremen Zwei, MDR Kultur, hr2-kultur, NDR Info, Bayern 2

Dienstag, 5. November, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Wie Musik die Mauern in den Köpfen sprengte
Jazz in der DDR auf dem Hürdenlauf zum freien Spiel
Von Bert Noglik

Es war ein weiter Weg vom hoffnungsvollen Jazz-Präludium in der sowjetischen Besatzungszone bis zur Free-Jazz-Explosion in der DDR der 1970er-Jahre. Argwohn und Verbote haben diese Musik lange begleitet. Anfangs von der stalinistischen Kulturbürokratie als Ausdruck des Imperialismus und des Klassenfeindes gebrandmarkt, hat Jazz in der DDR seine Existenz mühsam erkämpft, eine eigene Szene hervorgebracht und in den achtziger Jahren schließlich sogar staatliche Förderung erfahren. Unangepasst blieben die Klänge dennoch, ebenso wie die Fangemeinde, die ihren Idolen nachreiste.

Donnerstag, 7. November, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Poesie des Wesentlichen
Der israelische Pianist Yonathan Avishai
Von Ssirus W. Pakzad

Der aus Tel Aviv stammende Pianist Yonathan Avishai wurde durch die Zusammenarbeit mit namhaften israelischen Instrumentalisten wie dem Bassisten Omer Avital oder dem Trompeter Avishai Cohen international bekannt. Der 42jährige betreibt mit „Modern Times“ auch ein eigenes Trio und spielt eine Kammermusik, die voller Poesie aber auch unerwarteter Wendungen steckt. Kenner rühmen Yonathan Avishais harmonische Finesse, vor allem aber, wie er Pausen zu setzen weiß, die niemand kommen sieht und die seiner Musik eine ganz eigene Dynamik verleihen.

Freitag, 8. November, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Free Jazz nach dem Mauerfall
Nostalgie oder Aufbruch Ost
Bert Noglik im Gespräch mit Oliver Schwerdt

Unmittelbar nach dem Mauerfall entstand das Gefühl einer wilden Freiheit, das dem auratischen Erleben von Free Jazz vergleichbar war. Dennoch rannte das Publikum der früheren DDR seinen einstigen Helden zunächst davon. Erst allmählich gewann die Szene wieder eine gewisse Stabilität. In Berlin schlossen Musiker und Musikerinnen aus Ost und West neue Allianzen. In Leipzig gelang es dem Pianisten Oliver Schwerdt mit enormer Energie, Akzente zu setzen. Schwerdt, der seine Doktorarbeit über Günter Baby Sommer schrieb, blickt im Gespräch mit Bert Noglik nach Ost und nach West, zurück und voraus.

Samstag, 9. November,22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Sanfter Verführer
Der Trompeter Chet Baker
Von Hans-Jürgen Schaal

Als junger Mann verführte er mit seinen sanften Trompeten-Sound und seinem lyrischen Gesang. Doch das Leben von Chet Baker verlief alles andere als beschaulich. Der vielfache Poll-Sieger saß in den USA Haftstrafen wegen Drogenmissbrauchs ab und floh Ende der 1950er-Jahre nach Europa. In den 1970ern gelang ihm ein Comeback. 1978 ging er für den Rest seines Lebens nach Europa, machte hier in den ersten zwei Jahren 20 Platten. Sein Trompetenton war noch reiner, noch tiefer geworden. Seine Linien verströmten eine zeitlose Melancholie: Nie hat Chet Baker besser Trompete gespielt als in seinem letzten Lebensjahrzehnt.

Dienstag, 12. November, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Illimité
Höhepunkte vom 14. Festival Jazzdor Berlin
u.a. mit Extradiversion und Naissam Jalals Quest of Invisible
Am Mikrofon: Nina Polaschegg

Im Juni fand die 13. Ausgabe des Festivals Strasbourg-Berlin in der Kulturbrauerei Berlin statt. Ziel des deutsch-französischen Festivals ist es, in den beiden Ländern lebende Musikerinnen und Musiker zu präsentieren und zusammenzubringen. Dabei entsteht ein reger Austausch, der kreative Synergien freisetzt. Die heutige SWR2 Jazz Session bringt Höhepunkte des diesjährigen Jahrganges mit spannenden Fusionen und Dialogen. Mit dabei sind junge, aufstrebende Talente ebenso wie Altmeister ihres Faches.

Donnerstag, 14. November, 23.25 – 24.00 UhrNOWJazz: Weite Lunge, heißes Herz
Der französische Posaunist und Tubaspieler Fidel Fourneyron
Von Thomas Loewner

Rugby oder Musik? Zwischen diesen beiden Positionen musste sich der junge Fidel Fourneyron Ende der 1980er-Jahre entscheiden. Er wählte die Musik und die Posaune. Inzwischen zählt Fourneyron zu den auffälligsten Musikern seines Instruments in Frankreich. Er beherrscht das gesamte Ausdrucksspektrum der Musik: von sanft und gesanglich bis hin zum reinen Soundspiel mit Schmatz- und Brummlauten. Hinzu kommt seine große stilistische Vielseitigkeit: dem traditionellen Swing gegenüber ist er genauso aufgeschlossen wie Konzepten, die sich an den Rändern des Jazz bewegen.

Freitag, 15. November, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update
Sonic Wilderness
Von Julia Neupert

Diese Reihe auf dem freitäglichen NOWJazz Update Sendeplatz führt in abenteuerliche Zwischenwelten des Jazz. Ob Improv, Electronica, Klangkunst, Noise oder Rock – für die atmosphärischen Mixes gibt es nur eine Regel: Die Lust am musikalischen Abenteuer muss hörbar sein.

Samstag, 16. November, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Catwalk
Jazz und Mode
Von Henry Altmann

Jazz und Mode sind seit jeher eine starke Verbindung eingegangen. Ob es nun die kurzen Röcke der Jitterbugs in den 1920er-Jahren waren, die langen Haare der „Swing-Heinis“ in den 1940ern, der Porkpie Hat Lester Youngs im Swing-Zeitalter, die bunten Afro-Gewänder der 60er-Jahre oder Miles-Davis‘ Glitter-Outfit in den 80ern: Jazz war nie nur eine musikalische Stilistik, sondern stets auch eine optische Stilfrage, sinnliches Abbild und prägende Kraft des Zeitgeists. Unsere heutige SWR2 Jazztime zeigt, wie sich Jazz und Mode gegenseitig inspirierten.

Sonntag, 17. November, 19.25 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
These Foolish Things
Der Swing-Trompeter Harry „Sweets” Edison
Von Gerd Filtgen

Rund ein Dutzend Jahre zählte der Trompeter Harry „Sweets“ Edison zu den wichtigsten Solisten im Count Basie Orchester. In der mit der rhythmischen Präzision eines Uhrwerks swingenden Band erhielten sein Timing und seine mit melodischen Finessen glänzende Beiträge den letzten Schliff. Edisons samtener Trompeten-Sound und seine offen oder mit Dämpfer gespielten Soli bereicherten die Aufnahmen von Jazz-Giganten wie Lester Young und Ben Webster.

Dienstag, 19. November, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs
Eric Dolphy – The Complete Prestige Recordings

Der Altsaxofonist und Bassklarinettist Eric Dolphy erlebt zwischen Frühjahr 1960 und Herbst 1961 eine ereignisreiche Zeit. Von der US-Westküste nach New York gezogen, macht er sich als Sideman einen Namen, mit dem Bassisten Charles Mingus tritt er zum ersten Mal in Europa auf. Ins Studio geht er mit Ornette Coleman und John Coltrane. Seine Aufnahmen für das Label Prestige aus diesem Zeitraum bergen einige interessante Details: Dolphy ist zum ersten Mal Bandleader im Studio, er erweist engen Freunden musikalische Referenzen, spielt Balladen und Latin Jazz.

Donnerstag, 21. November, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Tribute an große Frauen

Das Danilo Perez/Avishai Cohen/Chris Potter Quintett bei den Stuttgarter jazzopen 2019
Am Mikrofon: Günther Huesmann

Die Creme de la Creme der New Yorker Jazzszene verneigte sich bei den Stuttgarter jazzopen 2019 vor großen, einflussreichen Frauen – Schriftstellerinnen, Komponistinnen und Aktivistinnen. Wobei das Quintett um den Tenorsaxofonisten Chris Potter, dem Pianisten Danilo Perez, dem Trompeter Avishai Cohen, dem Kontrabassisten Larry Grenadier und dem Schlagzeuger Jonathan Blake ganz ohne Pathos und Gedenkfeier -Lyrik auskam. Ihr mitreißender Auftritt geriet zum unumstrittenen Höhepunkt der diesjährigen Stuttgarter jazzopen.

Freitag, 22. November, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Travelling seitwärts
The Music(s) of Robert Wyatt
Von Ulrich Kriest

Im Herbst 2014 erklärte Robert Wyatt (ex-Soft Machine, ex-Matching Mole) seinen Rückzug aus der Musik. Verstummt ist damit eine Stimme, deren Brüchigkeit und Verletzbarkeit nicht nur von der Vereinzelung im Neoliberalismus erzählte, sondern auch eine kämpferische Haltung spüren ließ, die sich alles „Männliche“ abgeschminkt hat. Genau davon haben sich immer wieder Künstlerinnen und Künstler inspirieren lassen: aktuell das North Sea Radio Orchestra oder Max Andrzejewski‘ s Hütte. Aber die Reihe derer, die sich vor Robert Wyatt musikalisch verbeugen, ist weitaus länger.

Samstag, 23. November, 20.03 – 02.00 Uhr
SWR2 Spezial: 50 Jahre ECM
Ein legendäres PlattenlabelModeration: Günther Huesmann

Vor 50 Jahren, am 24. November 1969, wurde das erste ECM-Album aufgenommen: „Free At Last“ von Mal Waldron, eingespielt unter der Regie von Manfred Eicher. In fünf Jahrzehnten entstanden weitere 1.600 Alben – fast alle produziert von Manfred Eicher. Ein halbes Jahrhundert ununterbrochene Arbeit als unabhängiges Label unter derselben künstlerischen Leitung – eine Glanzleistung, die SWR2 in einer sechsstündigen Sendung würdigt: mit Künstlern wie Keith Jarrett, Jan Garbarek, Arvo Pärt, András Schiff und vielen anderen. Unser ECM-Abend stellt die gattungsübergreifende Brillanz der ECM-Musik vor.

Dienstag, 26. November, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: SWR Jazzpreis 2019
Synthesiste
Liz Kosack solo und im Trio VAX beim Festival Enjoy Jazz
Am Mikrofon: Julia Neupert

Herausforderung –  das ist die Quintessenz von Jazz für Liz Kosack. Der Saxofonist Wayne Shorter hat es für die Wahlberlinerin auf den Punkt gebracht, als er einmal sagte, „To me jazz means: I dare you.“ Mit fantasievoller Risikofreude präsentiert sich Liz Kosack auch bei ihrem Konzert zur Vergabe des gemeinsam vom Land Rheinland-Pfalz und dem SWR vergebenen SWR-Jazzpreises 2019: als klangabenteuerliche Solistin am Synthesizer und in ihrem langjährigen Trio VAX. Zusammen mit Devin Gray und Patrick Breiner vermisst sie hier das irritierende, überraschende und humorvolle Potential des Absurden.

Donnerstag, 28. November, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Subtiler Tasten-Tornado
Das Christian Sands Trio bei den Stutgarter jazzopen 2019
Am Mikrofon: Ssirus W. Pakzad

Als der Pianist Christian Sands mit dem Bassisten Yasushi Nakamura und dem Schlagzeuger Clarence Penn beim Festival jazzopen Stuttgart 2019 im Bix Jazzclub auftrat, entfesselte er einmal mehr einen subtilen Tasten-Tornado. Seine stupende Technik nutzt er jedoch nicht für prahlerische Fingerübungen. Sie dient ihm, um seine nie versiegenden Ideen in Töne umzusetzen. Sands fühlt sich einerseits dem klassischen Piano-Trio-Jazz verpflichtet, ist aber andererseits unverkennbar ein Musiker von heute, der eine ganze Reihe von Einflüssen zulässt und diese in seinen swingenden Exkursionen unterbringt.

Samstag, 30. November, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Juwelen aus dem Jazzarchiv
The Savory Collection
Mit Coleman Hawkins, Fats Waller, Lionel Hampton u.a.
Von Gerd Filtgen

Vermutlich hatten nur wenige Freunde von Bill Savory eine Ahnung davon, was für Schätze sich in dessen Besitz befanden. Von 1935 bis 1940 nahm der Musiker und Toningenieur mit eigenem Equipment in erstaunlich guter Klangqualität Radioauftritte von bekannten Jazzkünstlern auf. Sicher hatte er seinen Spaß daran, diese Aufnahmen exklusiv zu genießen. Jedenfalls blieben sie zu seinen Lebzeiten unveröffentlicht. Erst nachdem Savorys musikalischer Nachlass im Jahr 2010 vom National Jazz Museum in Harlem aufgekauft wurde, sind sie auch für Musikliebhaber zugänglich.

Montags-Samstags/ 17.50 – 18.00 Uhr
Jazz vor sechs
Entdeckungsfreudig oder klassisch – täglich aktuelle Veröffentlichungen sowie Aufnahmen aus dem SWR2 Archiv.

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