„Polska Afera“ in Ludwigsburg

Saxophonist Waldemar Leczkowski stellte im Jazzclub neue CD vor 

Er spielt nicht permanent expressiv wie Tomasz Szukalski, er geht eher kontemplativ wie Zbigniew Namyslowski vor: Saxophonist Waldemar Leczkowski, aus Nordpolen stammend und nun in Ludwigsburg wohnhaft, bläst gerne ruhig und dezent. Zusammen mit drei süddeutschen Partnern hat er ein Quartett formiert, mit dem er im Juli 1996 in ein Warschauer Studio ging. Die dort eingespielte CD „A Polish Affair – Polska Afera“ stellte er jetzt im Jazzclub Ludwigsburg vor. Tags zuvor wurde der Tonträger „live“ bei „Buch Julius“ in Stuttgarts Charlottenstraße präsentiert – Buchhändler Julius Pischl brachte den Silberling auf seinem Label „Edition Musikat“ heraus.

Wohlgefälliger moderner Jazz ist bei Waldemar Leczkowski (Jahrgang 1964) angesagt: ein bißchen Bebop, viel Cooles und vor allem Mainstream samt avantgardistischen Einsprengseln. In Ludwigsburg gebrauchte er ausgiebig und gemächlich zunächst das Tenorsaxophon, und da erinnerte er tonlich sehr an Stan Getz. Freilich verwendete Leczkowski das Tenor bei der CD überhaupt nicht. Da ist er nur auf dem Sopran- und Altsaxophon zu hören. Und auf den beiden höheren Instrument spielt er wesentlich agiler: relativ zupackend auf dem Alt, tänzelnd und näselnd auf dem Sopran.

Hauptakteur des Quartetts ist allerdings der 23jährige Marc Daniel Rosenberger aus Weissach. Beim Clubgastspiel sorgte er mit klugem Aufbau für intensitätsreiche Improvisationen und brachte interaktiv die Musik voran, kompetent unterstützt von dem Ludwigsburger Frerk Schulz-Klein unorthodox an der sechssaitigen Baßgitarre und am konventionellen Kontrabaß sowie von dem versierten Drummer Markus Schmidt (Konstanz). Auf der CD zeichnet Rosenberger für die meisten Kompositionen verantwortlich. Und er fungiert noch als Texter: „Now, I stand here at this place, wondering how far your sight could bring me. All this seems just like a dream to me.“ Entsprechend verträumt und mit Unschuldsstimme singt hier als Gast Polens prominente Jazz-Vokalistin Szafran, die vor drei Jahren mit ihrer CD „Tylko Chopin“ für Furore sorgte.

Im beseelten Gestus wandelt ebenso ganz impressionistisch der „November Walk“. Mit dem „Rainblues“ gibt es auf der CD eine zweite Wetter-Nummer voller Tristesse. Hier verklanglicht anfangs mit dem Reiben der Becken der 28jährige Markus Schmidt das nasse Element. Bei der rhythmisch betonten „Leila“ ist Schmidt mit von der kompositorischen Partie. „Restless“ geht programmgemäß unruhig mit schnellerem Tempo voran.

„Billie’s Bounce“ ist die einzige Nicht-Eigenkomposition des Quartetts auf der CD „A Polish Affair – Polska Afera“. Charlie Parker hat dieses Standard geschrieben, und es bleibt zu konstatieren, daß „Bird“ auf dem Altsaxophon unerreichbar ist…

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