Mit Paukern und Trompeten


Alle Photos (hier Roland Herter-Flöß) auf dieser Seite: Hans Kumpf 

Am zweiten Juli-Sonntag ging es bei einer Matinee im Renaissance-Schlosshof heiß her: Die Landeslehrerbigband von Baden-Württemberg demonstrierte, was sie bei ihrem Probenwochenende im Evangelischen Schulzentrum Michelbach (Landkreis Schwäbisch Hall) gelernt hatte. 

Schülerjazzorchester gibt es in Baden-Württemberg schon seit (drei) Jahrzehnten, aber erst seit 2001 besteht eine offizielle Landeslehrerbigband. Ins Leben gerufen wurde diese von Tilman Jäger, der mit der Big Band vom Albert-Einstein-Gymnasium in Böblingen bei dem Wettbewerb „Jugend jazzt“ wiederholt erfolgreich beteiligt war. Inzwischen ist der musikstilistische Allrounder als Professor an der Münchener Musikhochschule tätig, den schwäbisch-badischen Pauker-Haufen der swingenden Art leitet er jedoch nach wie vor.  

Das Konzert am frühen Sonntagmittag begann mit einem erst Tags zuvor einstudierten Stück, das inzwischen bei vielen jugendlichen Jazzorchestern zum festen Repertoire gehört, nämlich mit „Strike Up The Band“ des Arrangeurs Sammy Nestico, von dem auch noch „A Pair Of Aces“ und „It’s Oh So Nice“ interpretiert wurden. Auf soliden Swing also ist der ganz in schwarz gekleidete Pädagogenklangkörper primär ausgerichtet, und da passten noch bestens Hits von Duke Ellington und Benny Goodman hinein. Freilich brachte die Landeslehrerbigband zudem Moderneres zu Gehör: Das von Wolfgang Dauner für das „Unit Jazz + Rock Ensemble“ verfasste „Ausgeschlafen“ und den Beatles-Ohrwurm „Norwegian Wood“, blockflötenfrei arrangiert von dem Emmendinger Saxofonisten Werner Englert, der früher in der Anfangsformation der „LLBB“ mitmischte.


Klaus-Dieter Mayer

Eine doppelte Huldigung schließlich an den alt-modischen Deutsch-Swing-Sänger Roger Cicero (mit rumänischem Migrationshintergrund), vom ebenfalls glatzenbehüteten Vokalisten Klaus-Dieter Mayer: „Zieh’ die Schuh’ aus“ und dessen Adaption von Ellingtons „Do Nothin’ Till You Hear From Me“. Als integrierte Bandsolisten brillierten vor allem der Trompeter Volker Ehrlich, der Saxofonist, Flötist und Klarinettist Stefan Zenth und auf der Posaune Christof Ruetz. Vor zwei Jahren errang Ruetz mit der von ihm betreuten Big Band des Freudenstädter Kepler-Gymnasiums beim baden-württembergischen Wettbewerb „Jugend jazzt“ einen 1. Preis, nun traf er beim Konzert in der Hohenlohe seinen alten Posaunenlehrmeister Georg Sima, früher Leiter der Schwäbisch Haller Stadtkapelle.

Eine getragene Feature-Nummer für Bassposaune im weichen Sound war Roland Herter-Flöß gewidmet: „A Nightingale Sang In Berkeley Square“. Der Michelbacher Musikererzieher hatte seine Bandkollegen an seine Schule eingeleitet und so auch die interessante und gut besuchte Matinee initiiert. Als äußerlichen Dank für seine diversen Mühen übereichte ihm Schulleiter Jürgen Oelschläger nach Konzertschluss eine wahrlich Aufsehen erregende Sonnenbrille – mit aufgesetzter Miniatur-Jazzband.


Martin Keller

Auch Martin Keller aus Winnenden sorgt in Michelbach an der Bilz für gediegene als auch für schräge Jazztöne. Bei Neal Heftis „Planky“, einem Basie-Blues mit fünf b-Vorzeichen, stieß er als Gastsolist mit seinem Tenorsax improvisatorisch heftig ins Horn.


Thomas Krisch

Zuverlässig im Hintergrund, aber mit keiner Solo-Performance bedacht, wirkte Thomas Krisch am Kontrabass. Das Jazztalent aus dem Schwarzwald erfreute sich bereits als Teenager in den sechziger Jahren großer Publizität – zusammen mit seinen Brüdern.

Trotz Hitze von über 30 Grad Celsius: Die gut gelaunte Landeslehrerbigband ließ sich von den begeisterten Zuhörern noch zu zwei Zugaben erwärmen. Dann ging es aber eilends nach Hause – Unterricht vorbereiten und Zeugnisnoten ausdenken…