International Skoda All Star Band, Worms, 30. Oktober 2004

Maria Pia de Vito scattet in der sanglich-weichen Ausdrucksform ihrer neapolitanischen Heimat. Sie gurrt und schnalzt, seufzt und schreit verhalten, nimmt ihre Stimme in den Sampler, singt mit sich selbst mehrstimmig über Loops und Schleifen, lässt ihre Worte und Vokalisen über Hall und Echo weit in das Dunkel des Wormser Theatersaales tragen. „Nel respiro“ fasziniert in der Verbindung des traditionellen mediterranen Gesangs und der modernen Elektronik – wie das gesamte Konzert der International Skoda All Star Band von der Integration unterschiedlichster Individualstile und Kulturkreise lebt.

„Child Song“, der Opener dieses Abschlusskonzertes der diesjährigen Tournee der Jazz-Professoren und Dozenten, ist typisch für die Band. Er beginnt mit ein paar perlenden Melodiefiguren und Akkorden von Glauco Venier auf dem Piano. Uli Beckerhoff kommt mit weichem, weit tragendem Ton auf der Trompete hinzu, Gunnar Plümer und Bruno Castellucci steuern einen durchlaufenden Rhythmus bei. Die beiden Sängerinnen Norma Winstone und Maria Pia de Vito scatten beim Ruf-Antwort-Spiel im Duett, Matthias Nadolny lässt sein Tenorsaxophon in sonorem und leicht aufgerautem Lauf förmlich atmen, während Peter O´Mara mit der Gitarre eine filigrane Gitarrenlinie unterlegt. Die Band steigert im Tutti Dynamik und Intensität, bis dann das „Kinderlied“ mit ein paar hingetupften Single-Notes auf dem Flügel endet.

Im Kontrast dazu steht Peter O´Maras „Another Avenue“, das nach einem Duett der Sängerinnen und einem Duell der Bläser in ein Gitarrensolo mit einem extrovertierten, rasenden Lauf auf den hart angerissenen Saiten sowie gleißenden und knalligen Glissandi mündet, ein Ausflug in einen rockenden und freien Jazz, der  vom Schlagzeug pulsierend unterlegt und vorangetrieben wird.

Das Konzert der All Star Band lebt von der Abwechslung der musikalischen Ausdrucksweisen, ohne dass sie in einen Stilmischmasch verfallen würde, und von den unterschiedlichen Zusammensetzungen vom A-Capella-Gesang über Trios bis zum Oktett. Traditionell im klassischen Bebop swingt das Trio mit Piano, Bass und Schlagzeug. Die Wandlungsfähigkeit ihrer Stimme beweist Norma Winstone mit weichen schmiegsamen und klar intonierten Lyrics in Wayne Shorters „Diana“ sowie mit einem herrlich lasziven und betont ironischen Gesang in Steve Swallows „Ladies in Mercedes“.

Die Musik der International Skoda All Star Band ist stilsicher und vielfältig in den Schattierungen, aufregend nicht durch Aufgeregtheit, sondern durch die Souveränität in einem eigenwilligen Gruppenspiel, das beim aufmerksamen Zuhörer immer wieder für Überraschungen sorgt. Die Musiker und Sängerinnen schöpfen aus den Quellen des zeitgenössischen Jazz, der klassischen Musik des 20. Jahrhunderts, aus der Vokalmusik des Mittelmeerraumes und der Jazztradition des Cool-Jazz und Bebop.Große emotionale Ausdruckskraft sowie virtuose Behandlung der Instrumente und Stimmen bestechen ebenso wie Spielfreude und Humor. Die Band verdient mehr Zuhörer als in Worms dem Konzert lauschten.