Der Senegalese Ablaye Cissoko musizierte mit dem Trompeter Volker Goetze in Halls Hospitalkirche

Photo: Kumpf

 Friedliches Miteinander in konfliktreichen Zeiten 

Außergewöhnliche Klänge unter Engeln und Aposteln: Der deutsche Trompeter Volker Goetze spielte in der Hospitalkirche einträchtig zusammen mit dem Senegalesen Ablaye Cissoko, der seinen Gesang auf der Kora-Harfe begleitete.

Der 1972 in Bergisch Gladbach geborene Volker Goetze studierte an der Kölner Musikhochschule Jazztrompete bei keinem Geringeren als Markus Stockhausen, dem Sohn des Avantgarde-Komponisten Karlheinz Stockhausen (1928-2007). Was meint der erfahrene Instrumentallehrer über seinen ehemaligen Schüler? „Der Volker hat ein wunderschönes Duo gegründet und reist damit um die Welt. Die Leute lieben die Musik – was will man mehr… Volker hat hart gearbeitet in seinem Leben, um dahin zu kommen, ich bewundere ihn dafür.“ Dies formulierte Markus Stockhausen gerne auf spezielle Anfrage.

Musiker aus Westafrika, welche die 21-saitige Langhalsharfe Kora (mit einer mächtigen Kalebasse als Resonanzkörper) zupfen und dazu singend Geschichten erzählen, sind ja immer wieder auch auf europäischen Jazzfestivals zu hören. Man denke da beispielsweise an Habib Koite, Kabine Kouyate oder den Albino Salif Keita. Goetze kooperiert nun seit eineinhalb Jahrzehnten mit Kimintang Mahamadou Cissoko (45), der nach wie vor im Senegal lebt und sich weltweit Ablaye Cissoko nennt.

Bei diesem Duo bestimmt Cissoko das musikalische Geschehen, der deutsche Partner mit Wohnsitz New York bleibt bewusst meist im Hintergrund und ergänzt auf Trompete und Flügelhorn die Vokalisen und das virtuose Harfenspiel gefühlvoll oft mit parallel geführten Melodielinien im Legato. Symptomatisch hierbei erscheint das abwärts gerichtete Intervall der kleinen Sekunde. Noble Eintracht allenthalben. Die Tempi bleiben gemächlich, die hohe Stimme verfügt über ein angenehm sanftes Timbre. Meditation und kontemplative Stimmung herrschen vor – zumindest für das europäische Ohr.

Freilich: Zu den Inhalten der einzelnen Lieder wurden keine Erläuterungen abgegeben. Erst nach einem Dutzend Griot-Stücken erklang eine reine Instrumentalnummer, die etwas Freiraum für Interaktionen und swingende Improvisationen ließ. Man orientierte sich an einer afrikanischen Skala – fern einer abendländischen Funktionsharmonik.

Ein freundlich-friedliches Miteinander beim Musizieren, eigentlich Vorbild für die reale Welt voller Konflikte. Im Senegal gibt es 39 Nationalsprachen, aber Französisch ist die Amtssprache; 90 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Am Schluss des langen Konzertabends hielt Ablaye Cissoko in der Sprache der ehemaligen Kolonialmacht ein leidenschaftliches Plädoyer gegen Kriege und für religiöse Toleranz. Stehend bedankte sich das gerührte Publikum für die Musik und die Worte – und erwarb im Foyer noch viele CDs des Duos.

Veranstaltet wurde das Konzert von dem Südafrikaner Mthunzi Fesi, der mit einer Hallerin verheiratet ist und in Gaildorf als Streetworker arbeitet. Bei rund zwanzig Besuchern erwies sich der Weltmusik-Event als ein finanzieller Flop, was aber nichts an der kulturellen Wertigkeit minderte.

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