Der Jazzpreis Brandenburg 2026 geht an Andreas Willers. Mit der Entscheidung rückt ein Gitarrist und Komponist in den Mittelpunkt, der seit Jahrzehnten eine eigene Position zwischen Jazz, improvisierter Musik und kompositorisch geprägten Formen entwickelt. Die Auszeichnung verweist damit auf ein Werk, das sich weder auf stilistische Routine noch auf eindeutige Zuordnungen festlegen lässt, sondern aus Bewegung, Reibung und genauer Arbeit am Material lebt. Die Preisverleihung ist für Sonntag, 16. August 2026, im Rahmen der 63. jazzwerkstatt Peitz angekündigt. Im Anschluss soll Willers am Hüttenwerk Peitz ein Konzert bei freiem Eintritt spielen.
Andreas Willers wurde 1957 in Rendsburg geboren und gehört seit den frühen 1980er Jahren zu den markanten Stimmen der deutschen Improvisationsszene. Sein überregionales Debüt führte ihn 1981 zum Total Music Meeting nach Berlin; im selben Umfeld erschien auch eine frühe Soloaufnahme bei Free Music Production. Später arbeitete er unter anderem mit Paul Bley, David Murray und Urs Leimgruber zusammen. In seiner Biografie verbinden sich Blues, avancierte Spielformen, freie Improvisation und ein ausgeprägtes Interesse an klanglicher Offenheit. Seit 2001 lebt Willers in Brandenburg.
Charakteristisch für seine Arbeit ist die Verbindung unterschiedlicher musikalischer Denkweisen. Willers bewegt sich zwischen Jazz, Rock, Blues, Neuer Musik und frei entwickelten Formen, ohne diese Bereiche lediglich nebeneinanderzustellen. Gerade aus den Übergängen entsteht ein Profil, das auf Verdichtung statt auf Effekt zielt. Seine Musik sucht nicht den glatten Konsens, sondern den präzisen Zugriff auf Struktur, Klangfarbe und Reaktion im Moment. Das erklärt auch, weshalb sein Name seit langem mit Projekten verbunden ist, die in der deutschen und internationalen Szene aufmerksam verfolgt werden.
Zur Preisverleihung in Peitz ist anschließend das Programm HAVE YOU EVER BEEN EXPERIENCED? angekündigt. Auf der Bühne stehen neben Andreas Willers Amy Green, Rieko Okuda, Jan Roder und Christian Marien. Damit ist der Abend nicht nur als Ehrung angelegt, sondern zugleich als Konzert in einer Besetzung, die unterschiedliche Erfahrungsräume zwischen Song, Improvisation und offenem Ensembleklang zusammenführt.
Für Brandenburg ist die Preisvergabe auch ein Hinweis darauf, dass künstlerische Kontinuität nicht zwingend mit Lautstärke einhergeht. Im Fall von Andreas Willers wird ein Musiker ausgezeichnet, der über viele Jahre hinweg an einer eigenständigen Sprache gearbeitet hat und dessen Spiel sich dem schnellen Wiedererkennungseffekt ebenso entzieht wie modischen Festlegungen. Dass diese Ehrung im Rahmen der jazzwerkstatt Peitz verliehen wird, passt deshalb auch inhaltlich gut: Das Festival steht seit langem für eine offene Perspektive auf Jazz und improvisierte Musik in Deutschland.
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