Kontraste in den Kammerspielen: Das 24. AKUT Festival in Mainz

Nun doch wieder: ein AKUT Festival in Mainz.

Eine Veranstaltung mit Geschichte, in diesem Jahr mit einer 24. Ausgabe. Reduziert auf einen Festivalabend und nicht mehr im gewohnten Frankfurter Hof, sondern in den Räumen der Mainzer Kammerspiele. Eine glückliche Entscheidung: der Raum passte gut für die knapp 100 Besucher und die leicht ansteigenden Plätze mit allzeit gutem Blick auf die Bands, sorgten für eine angenehm intime Atmosphäre.

Gleich das erste Konzert des straff durchgetakteten Abends profitierte davon: das akustische Duo von Bob Degen und Burkard Kunkel.  Den 81-jährigen Pianisten Bob Degen im Line-up zu erleben, war eine besondere Freude. Er ist seit Jahrzehnten ein Solitär der Jazzpiano-Szene. Lange Jahre spielte er mit dem Saxophonisten Heinz Sauer, in dessen Quartett aber auch im Duo. Er ist ein unaufgeregt spielender Pianist, der mit seinem erkennbaren Personalstil am Flügel seine musikalischen Gedanken in großer Klarheit entfaltet. In Mainz spielte er im Duo mit Burkard Kunkel an Bassklarinette und Bassethorn – ein freigeistiger Partner: Gemeinsam entstand Musik im echten Dialog. Ein feiner Einstieg in einen Festivalabend, der noch ganz andere musikalische Bereiche erschließen sollte.

Ein vielfach ausgezeichnetes Talent präsentierten die Organisatoren von UpArt e.V. mit dem nächsten Set: Shuteen Erdenebaatar mit ihrem Quartett. Im Zentrum stand die mongolischstämmige Pianistin mit ihrem Quartett aus jungen Musikern: Jakob Manz an Saxophon und Flöte, Nils Kugelmann am Kontrabass und Valentin Renner am Schlagzeug. Diese Besetzung wurde beim vergangenen Deutschen Jazzpreis als „Ensemble des Jahres“ ausgezeichnet, was sicher auch als eine Anerkennung der U-30 Jazzgeneration zu lesen ist. Die Formation verfolgt einen eigenständigen musikalischen Weg: mit genreübergreifenden Facetten, unbekümmerter Virtuosität – und einer eingängigen Leichtigkeit.

Gefallen fand auch die dritte Band des Abends, und für einige Festivalbesucher war der Auftritt von Kuhn Fu der Höhepunkt des Festivalabends. Die größere Formation des Bandleaders und Gitarristen Christian Kühn entfachte mit einem sehr knackigen Bläsersatz, bestehend aus Sofia Salvo am Bariton Saxophon, Frank Gratkowski am Alt und John Dikeman am Tenor einen rasanten Drive. Ob hier mehr Zappa oder eher das Willem Breuker Kollektief ihre Spuren hinterlassen haben?

Der Ausklang dann mit dem Trio NOUT aus Frankreich. Trotz kleinerer Soundprobleme zu Beginn entwickelte sich das Konzert von Delphine Joussein (fl), Rafaëlle Rinaudo (el-harp) und Blanche Lafuente (dr) zum einem ebenso vergnüglichen wie furiosen Finale. Eine stilistische Schublade sollte man für dieses Trio gar nicht erst suchen. In der Selbstbeschreibung findet sich etwas von „mad scientists“, die mit ihren Reagenzgläsern hantieren. Laut ist es, heftig, mal frei pulsierend und manchmal geradezu mit Dancefloor-Energie durchzogen. Eine gute Dramaturgie der Festivalorganisatoren für den Abschluss des Festivals. Die Organisatoren konnten mit ihrem AKUT rundum zufrieden sein, und man hörte, dass die Chancen für eine weitere Festivalausgabe im kommenden Jahr nicht schlecht stehen. Wer wollte auch schon auf eine Jubiläumsausgabe zum 25. verzichten?

Fotos Akut Festival Mainz 2025 – Photos: Frank Schindelbeck

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© 1997 – today | ISSN 2751-4099

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