Jazzdor Straßburg-Berlin 2026: Vier Abende zwischen Akustik, Elektronik und internationalen Projekten

Das Festival Jazzdor Straßburg-Berlin geht 2026 in seine 18. Ausgabe und verändert dabei seinen Berliner Standort grundlegend. Nach 15 Jahren im Kesselhaus der Kulturbrauerei findet das Festival vom 2. bis 5. Juni erstmals im Club Gretchen in Berlin-Kreuzberg statt. Der Wechsel ist mehr als eine logistische Entscheidung, er markiert zugleich eine inhaltliche Neuausrichtung unter der künstlerischen Leitung von Vincent Bessières.

Das Festival versteht sich weiterhin als Plattform für den Austausch zwischen der französischen und der deutschen Jazzszene, öffnet sich zugleich aber stärker für internationale Konstellationen. Der Schwerpunkt liegt auch 2026 auf aktuellen Entwicklungen im europäischen Jazz, wobei stilistische Grenzen bewusst offen gehalten werden. Darüber hinaus bleibt Jazzdor ein Treffpunkt für Fachpublikum und dient als Präsentationsfläche für aktuelle französische Projekte.

Garden of Silence – Photo: Stanislas Augris

Die vier Konzertabende sind jeweils unter ein eigenes thematisches Dach gestellt. Zum Auftakt steht das Klavier im Zentrum. Das Trio Wakan um die Pianistin Francesca Han verbindet unterschiedliche kulturelle Einflüsse, während Amaury Faye mit seinem NOLA Quartet und dem amerikanischen Schlagzeuger Herlin Riley Eindrücke aus New Orleans aufgreift und in einen zeitgenössischen Kontext überführt.

Am zweiten Abend treten internationale Besetzungen in den Vordergrund, die eigens für das Festival entwickelt wurden. Der in Berlin lebende Saxophonist Michael Attias arbeitet mit Samuel Ber und Benoît Delbecq zusammen, während der deutsche Posaunist Nils Wogram Teil des Projekts Synestet der Klarinettistin Hélène Duret ist. Diese Kooperation entsteht in Verbindung mit dem französischen Festival Jazz sous les pommiers.

Der dritte Abend widmet sich stärker elektronisch geprägten Ansätzen. Das Projekt Trouble um Antonin Leymarie arbeitet mit rhythmischen Strukturen und erweiterten Klangfarben, während das Quartett Photons um Gauthier Toux Elemente von Jazz und Techno miteinander verbindet und dabei sowohl improvisatorische als auch cluborientierte Perspektiven einbezieht.

Zum Abschluss richtet sich der Blick auf internationale Einflüsse und transkulturelle Konzepte. Garden of Silences um Clément Janinet verbindet improvisatorische Verfahren mit kammermusikalischen und folkloristischen Elementen. Das Sextett Mosaïc greift musikalische Traditionen aus dem Mittelmeerraum auf und entwickelt daraus ein eigenständiges Klangbild zwischen Jazz, europäischer Kammermusik und nordafrikanischen Rhythmen.

Mit dem Umzug ins Gretchen und der klar strukturierten Dramaturgie der vier Abende zeigt sich das Festival 2026 in einer konzentrierten, zugleich offenen Form. Der Fokus auf Kooperationen, neue Projekte und stilistische Vielfalt bleibt dabei das verbindende Element.

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