Jazz zwischen Kulturen: Erste Highlights im Festivalprogramm von Enjoy Jazz 2025

Langsam setzt sich die Puzzleteile des diesjährigen Programms beim Enjoy Jazz Festival zusammen. Die 27. Festivalausgabe verheißt ein gewohnt heterogenes Programm in den Städten Heidelberg, Ludwigshafen und Mannheim und beginnt am 2. Oktober 2025 mit einem Konzert des französisch-libanesischen Trompeters Ibrahim Maalouf im BASF-Feierabendhaus.

Maalouf, der in Beirut geboren wurde und in Frankreich aufwuchs, gehört zu den prägenden Stimmen jener Musiker, die sich zwischen arabischer Musiktradition, Jazz und populären Ausdrucksformen bewegen. Früh durch seinen Vater – selbst Trompeter und Musikpädagoge – an die Vierteltontrompete herangeführt, entwickelte Maalouf eine eigene Klangsprache, in der klassische Ausbildung, Improvisation und genreübergreifende Einflüsse aufeinandertreffen. Seine Konzerte zeichnen sich durch ein hohes Maß an stilistischer Offenheit aus, in der sich Elemente arabischer Tonalität, orchestrale Arrangements, rhythmische Strukturen aus Pop und Funk sowie filmmusikalische Motive verbinden.

Am 5. Oktober tritt die Enjoy Jazz Schulbigband im Karlstorbahnhof Heidelberg auf. Die Formation besteht aus Schülerinnen und Schülern verschiedener Schulen aus Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen. Sie wird seit einigen Jahren im Rahmen des Festivals gefördert und bringt junge Musikerinnen und Musiker aus der Region in einer gemeinsamen Produktion zusammen.

Im Verlauf des Oktobers sind weitere internationale Gäste zu erleben. Am 7. Oktober tritt die US-amerikanische Harfenistin Brandee Younger mit ihrem Trio im Karlstorbahnhof auf. Younger ist bekannt für ihre Arbeit im Spannungsfeld zwischen klassischer Harfentechnik und afroamerikanischen Musiktraditionen.

Nik Baertsch RONIN - Photo: Frank Schindelbeck
Nik Bärtsch RONIN – Photo: Frank Schindelbeck Jazzfotografie

Am 11. Oktober folgt ein Auftritt von Nik Bärtsch’s RONIN – wohlbekannt bei Enjoy Jazz ist das Quartett und dessen ausgeprägte rhythmische Struktur. Die Formation kombiniert Elemente repetitiver Pattern mit kontrollierter Dynamik.

Die Berliner Pianistin Julia Hülsmann präsentiert am 16. Oktober im Schloss Heidelberg ihr aktuelles Quartettprogramm.

Einen Highlight für die Jazzfreunde bildet der Auftritt des James Brandon Lewis Quartetts am 24. Oktober im Karlstorbahnhof Heidelberg. Der US-amerikanische Saxophonist ist mit Eigenkompositionen zu hören, die durch ein dynamisches Zusammenspiel und eine präzise klangliche Gestaltung geprägt sind. Die Besetzung umfasst Aruán Ortiz am Klavier, Brad Jones am Bass und Chad Taylor am Schlagzeug.

Am 26. Oktober folgt ein Konzert des Akkordeonisten Vincent Peirani mit seinem Quintett Living Being. Im Mittelpunkt steht das Programm Time Reflections.

Angelika Niescier + Tomeka Reid - Photo: Frank Schindelbeck
Angelika Niescier + Tomeka Reid – Photo: Frank Schindelbeck Jazzfotografie

Am 27. Oktober ist ein Trio mit Angelika Niescier (Saxophon), Tomeka Reid (Cello) und Eliza Salem (Schlagzeug) im Karlstorbahnhof angekündigt. Das Ensemble vereint Musikerinnen mit unterschiedlichen ästhetischen Perspektiven auf improvisierte Musik.

Das Konzert am 28. Oktober im BASF-Gesellschaftshaus hat das Potential zum Festival-Highlight: ein Duo-Abend mit dem US-amerikanischen Pianisten Vijay Iyer und dem Trompeter Wadada Leo Smith. Beide Musiker verbindet eine langjährige Zusammenarbeit und ein geteiltes Interesse an spirituellen, gesellschaftspolitischen und strukturell offenen Improvisationsformen. Ihre aktuelle Aufnahme Defiant Life, erschienen bei ECM, knüpft an frühere Kooperationen an und zeigt eine dialogische Spielhaltung, bei der die klangliche Textur und die narrative Tiefe im Vordergrund stehen. Zwischen struktureller Offenheit, sparsamen Mitteln und expressiven Ausbrüchen entfaltet sich eine konzentrierte Klanglandschaft, in der sich musikalische Reflexion und Reduktion auf bemerkenswerte Weise verbinden.

Am 30. Oktober treten Tania Giannouli und Nils Petter Molvær als Duo in der Friedenskirche Ludwigshafen auf. Die Zusammenarbeit der griechischen Pianistin und des norwegischen Trompeters ist Teil einer Reihe europäischer Kooperationen innerhalb des Festivalprogramms – beide Musiker gehören mit ihren immer erfrischend neuen Projekten fast schon zum Festivalinventar.

Tania Giannouli - Photo: Frank Schindelbeck
Tania Giannouli – Photo: Frank Schindelbeck Jazzfotografie

Am 2. November gastieren Kruder & Dorfmeister im Heidelberg Congress Center. Das österreichische Produzenten-Duo hat kürzlich ein Reissue seiner K&D Sessions herausgebracht und tourt mit der Live-Version durch die Lande und auf die großen Bühnen. Das Duo war bereits bei der ersten Ausgabe des Festivals im Jahr 1999 zu hören und kehrt nun mit dem Konzertprogramm um ihre K&D Sessions zurück.

Am 5. November tritt das Abdullah Ibrahim Trio im Pfalzbau Ludwigshafen auf. Der südafrikanische Pianist zählt seit Jahrzehnten zu den international renommierten Stimmen eines kontemplativen, von spirituellen Einflüssen geprägten Jazzpianospiels.

Am 6. November folgt ein Konzert des US-amerikanischen Schlagzeugers und Produzenten Makaya McCraven in der Alten Feuerwache Mannheim. McCravens Arbeit verbindet Jazz mit Strukturen aus Hip-Hop, Beat-Produktion und freier Improvisation.

Den Abschluss bildet ein Konzert mit dem Oud-Spieler und Komponisten Anouar Brahem am 8. November in der Christuskirche Mannheim. Brahem gilt als eine der zentralen Figuren in der Verbindung arabischer Musiktraditionen mit der improvisatorischen Sprache des Jazz. Seine Zusammenarbeit mit europäischen Musikern – darunter Jan Garbarek, Richard Galliano oder Dave Holland – ist seit Jahrzehnten dokumentiert. In seinem aktuellen Quartett, mit dem er das Album After the Last Sky eingespielt hat, verbindet er erneut seine melodisch-poetische Tonsprache mit kammermusikalischen Klangfarben. Neben Bassist Dave Holland sind auf der Aufnahme der britische Pianist Django Bates und die Cellistin Anja Lechner zu hören. Der Titel des Albums geht auf ein Gedicht des palästinensischen Autors Mahmoud Darwish zurück – auch darin zeigt sich Brahems Interesse an kulturellen und politischen Zusammenhängen über musikalische Mittel hinaus.

Die Enjoy Jazz Konzerte markieren unterschiedliche Ansätze des musikalischen Dialogs zwischen westlichen und außereuropäischen Traditionen. In ihrer Unterschiedlichkeit spiegeln sie zugleich die stilistische Offenheit eines Festivalprogramms, das sich der Vielfalt zeitgenössischer Musikformen widmet.

Weitere Programmpunkte sind für die kommenden Wochen angekündigt.

|Enjoy Jazz Festival

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