Gefahr für die Vielfalt der Jazzszene Baden-Württemberg – Jazzverband kritisiert Strukturreformen im Hochschulbereich

Der Jazzverband Baden-Württemberg sieht in den geplanten Strukturreformen im Bereich der Musikhochschulen im Lande eine Gefährdung der Vielfalt der lebendigen Jazzszene im Südwesten. Das Land Baden-Württemberg will die Jazzausbildung alleine auf den Standort Mannheim konzentrieren. “Eine solch einseitige Konzentration der jungen Jazzmusiker auf einen Hochschulstandort wird zur Folge haben, daß sehr rührige Szenen, wie die im Großraum Stuttgart, ausgetrocknet werden”, befürchtet Friedhelm Schulz, Vorsitzender des Jazzverbandes.

Die Jazzausbildung ist bisher auf mehrere Standorte im Lande verteilt. Die Studierenden haben dadurch die Möglichkeit des kreativen Austausches mit älteren Jazzern und somit neben der Hochschule auch in die Chance, in der Liveatmosphäre von Clubs aufzutreten, was für die künstlerische Entwicklung ungemein wichtig ist. Durch eine Konzentration der Ausbildung auf den Standort Mannheim wird das aus logistischen und geogratischen Gründen deutlich reduziert und die Ausbildung läuft Gefahr zu wenig praktische Elemente zu enthalten, da es kaum möglich sein wird, daß alle Studierenden in Sachen Jazz in Mannheim ausreichend Spielmöglichkeiten haben.

Die Konzentration der Jazzausbildung bedeutet zudem einen Angriff auf die kulturelle Vielfalt. Gerade Baden-Württemberg hat sich in den letzten Jahren durch diverse Strukturförderungen als Standort für den Jazz bundesweit einen Namen gemacht. Dieser wird durch die geplanten Strukturreformen aufs Spiel gesetzt. Verwundern muss die geplante Schließung des Studiengangs Jazz/Pop in Stuttgart, da dieser seit 1985 besteht und nach dem in Köln der älteste Studiengang seiner Art in Deutschland ist, und zudem auch viel Anerkennung erfahren hat. Kurios ist auch, daß die meisten der Jazzpreisträger Baden-Württembergs ihren Abschluß beim Studiengang Jazz/Pop in Stuttgart gemacht haben. Der Jazzpreis wird jährlich vom gleichen Ministerium gestiftet, das jetzt den Stuttgarter Studiengang schließen will. 

Der Jazzverband appelliert an die grüne Hochschulministerin Bauer, die Jazzausbildung zumindest auf zwei Standorte im Lande aufzuteilen, und den Standort Stuttgart bestehen zu lassen, damit für die Studierenden größere Chancen bestehen, in der Praxis Konzerterfahrung zu sammeln. “Wir sollten den guten Ruf, den Baden-Württemberg als Jazzland hat, nicht aufs Spiel setzen”, warnte Friedhelm Schulz. Der Jazzverband Baden-Württemberg ist die Dachorganisation der Jazzclubs und Musikerinitiativen im Lande und enger Ansprechpartner des Kunstministeriums bei Strukturföderprogrammen in Sachen Jazz.

Zum 25jährigen Bestehen den Studiengangs Jazz in Stuttgart äusserte sich Deutschlands Vorzeigejazzer Till Brönner übrigens wie folgt: “Den Blick auf die Substanz zu bewahren, wichtige Neuentwicklungen zu fördern und aktuelle Kommunikations- und Musikproduktionsmittel zu nutzen, um eine künstlerische Berufsausbildung .. auch getrost so nennen zu dürfen, dies ist im Bereich Jazz/Pop der Musikhochschule Stuttgart sicht- und hörbar gelungen.”

Nur die Entscheidungsträger des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst scheinen das leider anders zu sehen.

18.07.2013

Jazzverband Baden-Württemberg e.V.
Friedhelm Schulz
Schwedendammstr. 30
78050 Villingen-Schwenningen

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