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Irreversible Entanglements | Enjoy Jazz Festival 2021

November 8 @ 20:00 - 22:00

Moor Mother - Photo: Schindelbeck

Erinnern, wiederholen, durcharbeiten! „Who sent you?“, der viertelstündige Titeltrack des zweiten Albums von Irreversible Entanglements, erinnert daran, dass sich die Band 2014 im Zusammenhang mit Demonstrationen gegen Polizeigewalt und -willkür und in den Initiativen von „Musicians Against Police Brutality“ formiert hat. Camae Ayewa aka Moor Mother ist eine Meisterin darin, der allgegenwärtigen Erfahrung von Ohnmacht und Wut wuchtig Ausdruck zu verleihen. Dazu spielt die Band eine freie, aber sehr tighte Fire Music im Stile des frühen Ornette Coleman Quartet, kann aber problemlos den Hebel umlegen und zum Beispiel bei „Ritual“ dann eine archaische, fast schon psychedelisch-dubbige Version der Proto-Rapper The Last Poets liefern, was den Texten eine nahezu utopische Qualität beimisst. Es ist also gerade kein aktueller Wutausbruch (das auch, klar!), sondern eine Reflexion darüber, wie lange dieser frustrierende Kampf gegen Rassismus, Gewalt, Entfremdung und nicht zuletzt gegen das Vergessen der Leistungen der afro-amerikanischen Vorfahren sich nun schon hinzieht. Ein Unbehagen, das schließlich in einen staunenden Gestus fast schon melancholischer Ungeduld mündet. Lässt man die Geschichte Revue passieren, ist das, was vorüberzieht, so bodenlos, dass Ayewa nur noch zu formulieren bleibt: „At what point do we stand up / At the breaking point / At the point of no return … At what point do we give a shit / Do we stand up and say something?”. Aber weil eben immer schon mal jemand aufgestanden ist und seine/ihre Stimme erhoben hat – nennen wir exemplarisch Malcolm X, Angela Davis, Martin Luther King, Rosa Parks, Eldridge Cleaver oder Fred Hampton – und weil es diverse Soundtracks dazu gegeben hat – nennen wir exemplarisch Max Roach, Abbey Lincoln, Charles Mingus, Miles Davis, Archie Shepp, das Art Ensemble of Chicago, Curtis Mayfield, Gil Scott-Heron oder Public Enemy -, können sich Musiker:innen kreuz und quer aus diesem Fundus bedienen, ihre Aktualisierung platzieren und in immer neue, aber eigentlich immer auch alte, sehr alte Kampf-Zusammenhänge stellen. Und natürlich auch miteinander kommunizieren, sich ergänzen, sich widersprechen, sich austauschen. Insofern sind Irreversible Entanglements Teil einer Selbstversicherungsbewegung, an der aus anderen, ergänzenden Perspektiven und Haltungen eben auch die kulturgeschichtliche Spurensuche einer Matana Roberts, der Spritual Jazz von Kamasi Washington oder Shabaka Hutchings, die hinreißende „Re-Imagination“ von Gil Scott-Herons letztem Album durch Makaya McCraven, der Genregrenzen negierende Ansatz von Kendrick Lamar oder Terri Lyne Carrington & Social Science teilhaben.

Details

Datum:
November 8
Zeit:
20:00 - 22:00
Veranstaltung-Tags:
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Veranstaltungsort

dasHaus Ludwigshafen
Bahnhofstraße 30
Ludwigshafen, 67059
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Telefon:
0621 - 50 42 888